PhotoWorks · Analog

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AURAMA — Die Umkehr der Perspektive

Eine etwas unkonventionelle Idee

Dies ist im Rückblick gesehen eine meiner wichtigsten konzeptionellen Arbeiten. Entstanden am Anfang der 1990-er Jahre, lange bevor es digitale Bildbearbeitung gab.

Durch die Infragestellung der perspektivischen Denkweise haben mich die Resultate in meiner zukünftigen Bildauffassung sehr stark beeinflusst.

Ich habe nichts zu verstecken. Aber ich will mehr sehen!

Ich suchte nach einem Konzept zur Darstellung von Menschen, und zwar so wie sie sind. Aber nicht nur als Portrait von vorne, der Seite usw. Der komplette Mensch sollte zu sehen sein. Ohne Manipulation, ohne bildmässige Bearbeitung, ohne zusammensetzen von mehreren Fotos.

Die Personen sollten so zu sehen sein, wie sie sind. Ganz einfach mit einer einzigen Aufnahme auf dem Negativ-Film.



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Diese Fotos kamen so aus der Kamera, wie sie hier zu sehen sind.

Die grosse fotografische Baustelle

Ich beschäftigte mich vor etlichen Jahren intensiv mit verschiedenen Formen der Perspektive. Es entstanden unter Anderem umfangreiche Fotoserien von Spiegelbildern. Flexible Spiegel erzeugten so eine bedeutende Erweiterung des bildmässigen Horizonts und somit der Perspektive.
Obschon diese neu gewonnene Perspektive faszinierend und auch berechtigt war, stiess ich damit bald an eine Grenze. Nicht von der Bildaussage her, sondern vom Ansatzpunkt.

Es entstand die Idee, Personen zu fotografieren, so dass sie von allen Seiten gleichzeitig zu sehen sind. Ich gab diesen Fotografien den Namen AURAMA, eine Wortbildung von Aura und Panorama.

Die Umkehr der Perspektive

Mehr sehen oder erfassen als man normalerweise sieht, ist ein vielfältiger Wunsch. Möglichkeiten dazu gibt es viele. Sei es durch rein technische Hilfsmittel oder durch geistige Arbeit in Meditationen. Davon ausgehend entwickelten sich folgende Fragen:

  • Wie stehe ich in der Welt — Wie steht die Welt zu mir?
  • Wie sieht mich die Welt — Wie werde ich von der Welt gesehen?
  • Wie sehen mich die Personen um mich herum — nicht einzeln, sondern gemeinsam?
  • Wie sieht die Peripherie das Zentrum — Gibt es eine Inversion der Perspektive?

Stell dir folgendes vor:
Du stehst in einer Gruppe von Menschen. Du bist mitten drin. Du siehst deine Umgebung, deine Freunde. Das ist soweit klar. Aber wie sehen alle deine Freunde DICH? Und zwar nicht einzeln sondern als Ganzes, alle zusammen, als eine Art virtuelle Einheit, alle deine Freunde als Community?
Es ist eine Art umgekehrte Sichtweise... Wie stehst du da in der Gesellschaft, in einer Community?
Eine Frage, die mich schon seit langer Zeit immer und immer wieder beschäftigt, nicht erst seit es Facebook gibt.

Neue Bildserien sind danach entstanden. Auch solche mit wesentlich subtileren Aspekten die sehr wohl in ihrer Aussage in eine ähnliche Richtung gehen.

Es wurde AURAMA

Diese Bilder sind zwischen 1991 und 1993 entstanden und wurden damals in der Galerie Christine Brügger in Bern ausgestellt. Konzeptionelle Vorarbeiten und Versuche gab es ab 1990. Alle Aufnahmen entstanden live im Studio, wie damals üblich rein analog auf Negativ-Filmen und zeigen eine einstige reale Situation.
Diese Originalbilder wurden nachträglich am Computer nicht manipuliert.

Bild: Author Peter Andres
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