News Fashion – wie News gemacht werden…

Vor vielen Jahren, als Personal Computer noch teuer und Mangelware waren, Email und Internet noch nicht existierten, arbeitete ich als Software-Designer in einer kleinen Firma in Bern. Wir stellten für die grossen Nachrichtenagenturen komplexe Programme und Anlagen her. Damit konnten Journalisten an ihren Arbeitsstationen ihre Texte schreiben und sie direkt per Knopfdruck in die ganze Welt versenden. Unsere Software auf dem Host-Computer erledigte den Rest. Ein Ding mit Ausmassen einer Waschmaschine und der Rechenleistung kleiner als das diejenige des ersten iPad’s.

Auch schon damals gab es Updates. Da das Internet noch nicht existierte, mussten diese vor Ort installiert werden. Bei Reuters in Deutschland war ein grosses update fällig. Der Grossrechner musste dafür heruntergefahren werden, die Journalisten konnten nur noch auf dem Parallel-System arbeiten. Durch ein kleineres Missgeschick während dem Software-Update wurde aber das Parallel-System ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, fiel also total aus. Dies bedeutete, dass alle Journalisten auf einen Schlag für einige Zeit arbeitslos waren. Im News-Room lief nichts mehr, ausser den Ticker (Fernschreiber, sehr laut, mit aussergewöhnlicher Geschwindigkeit von 6 Zeichen pro Sekunde).

Und da kam die Sensationsnachricht rein auf die jeder Journalist sein ganzes Leben lang gewartet hat… Der Papst ist gestorben!

Protest und Tumult im News-Room! Die Journalisten konnten ja nicht auf die Nachricht reagieren und die Top-One-Story nicht kommentieren. Also wurde versucht, den Computer-Raum zu stürmen. Zu unserem Glück waren diese Räume bereits damals abschliessbar.

Alle andern Nachrichtenagenturen verbreiteten die Sensation bereits in Windeseile! Nur Reuters schwieg…

Nach einiger Zeit folgte auf dem Ticker das Dementi. Der Papst lebte also noch! Somit war Reuters die einzige Nachrichtenagentur, die seriös blieb und auf den Schwindel nicht reingefallen ist, was in der Weltpresse natürlich gelobt wurde.

Wir ernteten von den Journalisten grossen Dank, worauf wir argumentierten, unsere Software habe eben bereits Artificial Intelegence, künstliche Intelligenz.